Deutsche Finance Group hat mit Verlusten der Bayerischen Versorgungskammer nichts zu tun

Deutsche Finance Group hat mit Verlusten der Bayerischen Versorgungskammer nichts zu tun

München – „Bayerische Versorgungskammer verzockt 690 Millionen Euro“, titelte die „Süddeutsche Zeitung“ und bezog sich damit auf US-Immobilienprojekte, in die eine größten Pensionskassen Deutschlands 1,6 Milliarden Euro investiert hat. „Fast 700 Millionen Euro weg, ein nicht zu bemessender Reputationsschaden, und bald schon drohen weitere kritische Fragen: Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) versinkt im Chaos rund um missglückte US-Investments“, schrieb das Blatt weiter. Immobilien in San Francisco, Miami Beach und Manhattan hätten sich als Anlageobjekte nicht so entwickelt wie erwartet. In einer Presseerklärung vom 12. Dezember 2025 hatte die BVK den falschen Eindruck erweckt, die Deutsche Finance Group trage daran eine Mitverantwortung. Der in München ansässige Finanzkonzern weist eine Verantwortung für die Investitionsentscheidungen im Zusammenhang mit den BVK-Verlusten jedoch energisch zurück. Man habe bei den verlustreichen US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer keine Entscheidungsbefugnisse gehabt, und die Tochtergesellschaft Deutsche Finance America sei nur in strukturierenden und koordinierenden Funktionen tätig gewesen.

Die Verluste mit den Immobilienanlagen, die Kommunikationsfehler und die Hinhaltetaktik bei der Aufklärung entwickeln sich für die BVK zum PR-Desaster. Dabei ist sie mit ihren 2,7 Millionen Versicherten die größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe des Landes und führt die Geschäfte von zwölf berufsständischen und kommunalen Altersversorgungseinrichtungen. Als bayerische Behörde im Geschäftsbereich des Innenministeriums ist sie mit ihren Versorgungseinrichtungen vor allem für bestimmte Berufsstände im Freistaat zuständig. Durch Staatsverträge sind aber Ärzte, Anwälte, Schornsteinfeger und weitere Angehörige freier Berufe aus anderen Bundesländern den bayerischen Einrichtungen angeschlossen, sodass sich das Geschäftsgebiet der BVK auf Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen erstreckt. Umso größer ist der Imageschaden für die Pensionskasse durch die mangelhafte Kommunikation ihrer Fehlspekulationen in den USA. „Wer bei den Deals genau die Entscheidungen getroffen hat und wie hoch der tatsächliche Verlust sein wird: Dazu mauert die BVK“, kritisierte die „Süddeutsche Zeitung“ und sieht weitere Probleme auf die Bayerische Versorgungskammer zukommen. So hätten Mieter und Käufer der missglückten Immobilienprojekte inzwischen eine Klage gegen den Immobilienentwickler Michael Shvo und die BVK in den USA eingereicht. Ihr Ziel ist Schadenersatz.

In ihrer Pressemitteilung vom letzten Dezember versuchte die BVK die Dimension des Problems herunterzuspielen. Sie verwies auf die Verschärfung der Compliance-Regeln und darauf, dass sowieso nur ein kleiner Teil der angelegten Summe in die US-Investments geflossen sei. Außerdem arbeite man an der Optimierung der Investment- und Risikomanagement-Prozesse sowie der Verbesserung der Kommunikation mit den Gremien der vertretenen Versorgungseinrichtungen. Der Vorstandsvorsitzende Axel Uttenreuther bedauerte die entstandenen Verluste im US-Immobiliengeschäft. Gleichzeitig stellte er fest, „dass diese durch die guten Ergebnisse aus den anderen Assetklassen gemäß unserer Diversifizierungsstrategie kompensiert werden. Es haben sich bislang keine Auswirkungen auf die Versorgungszusagen für unsere 2,7 Millionen Mitglieder, Versicherten und Leistungsempfänger ergeben.“ Die Altersvorsorge der Versicherten sei weiterhin sicher, bekräftigte Uttenreuther.

Die öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe spricht von der Beteiligung an drei besonders risikobehafteten Projektentwicklungen sowie einem Renovierungsprojekt, der Transamerica Pyramid in San Francisco. Das Investitionsvolumen dieser Projekte beziffert sie auf 820 Millionen Euro. Darüber hinaus hat sie rund 770 Millionen Euro in drei Bestandsobjekte investiert. Hinsichtlich der Entwicklungs- und Renovierungsprojekte seien auf der Ebene des Zielfonds für das Geschäftsjahr 2024 Wertberichtigungen in Höhe von 163 Millionen vorgenommen worden. Aktuell gebe es ein weiteres Verlustrisiko von bis zu 690 Millionen Euro, was aber nur 0,6 Prozent der gesamten Kapitalanlagesumme ausmache. Das Eigenkapitalengagement im Rahmen der US-Immobilieninvestitionen mit der Deutschen Finance Group und dem Entwickler SHVO taxiert die BVK auf rund 1,6 Milliarden Euro. Relativierend heißt es, dieser Betrag entspreche weniger als 1,4 Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Jahresende 2024.

Weil sie im medialen Kontext mit den US-Immobilieninvestments der Bayerischen Versorgungskammer immer wieder genannt wird, sah sich die Deutsche Finance Group jüngst zu einer Richtigstellung genötigt. Die von Thomas Oliver Müller und Dr. Sven Neubauer geführte Investmentgesellschaft verschafft Anlegern Zugang zu institutionellen Investmentstrategien in den Bereichen Private Equity Real Estate, Immobilien und Infrastruktur. Mit ihren Standorten in München, London, Madrid, Denver und Luxemburg verwaltet sie ein Vermögen von rund 12 Milliarden Euro. Müller und Neubauer betonen, dass weder die Deutsche Finance America noch andere mit der Deutsche Finance Group verbundene Unternehmen bei den US-Investments der BVK als Zielfondsmanager tätig waren. Auch hätten sie keine diskretionäre Entscheidungskompetenz hinsichtlich der Auswahl oder Durchführung der Investments gehabt. „Die Deutsche Finance America war in den betreffenden Investments kein operativer Entscheidungsträger und hatte keine Entscheidungs- oder Weisungsbefugnisse hinsichtlich konkreter Investitionen, Finanzierungen oder Verwertungen oder aber bei der Auswahl und Beauftragung von Projektentwicklern für die operative Umsetzung der US-Investments“, stellt die Konzernzentrale in Bayerns Landeshauptstadt fest. Nach eigenen Angaben beschränkte sich die Tätigkeit der Deutsche Finance America auf ihre vertraglich definierten Funktionen – und das seien nur strukturierende, koordinierende sowie regulatorische gewesen. Es habe keine inhaltliche Einflussnahme auf die Investitionsentscheidungen gegeben.

Die Deutsche Finance Group ist längst nicht nur auf dem US-Immobilienmarkt engagiert. Erst jüngst startete ein Joint Venture zwischen der Deutsche Finance International und dem dänischen Investmenthaus Evervest. Die neue dänische Wohn-Plattform „Komvi“ peilt ein Volumen von 500 Millionen Euro an Assets under Management an und hat sich einen Ankerinvestor aus dem Bereich Diversified Property Investments (DPI) gesichert. Im Fokus steht der wachsende Markt für Single-Family-Rental-Homes. „Komvi“ startet mit einer ersten Transaktion über 150 Millionen Euro und knapp 400 neuen Wohneinheiten in fünf Projekten in Seeland, Jütland und im Raum Kopenhagen.

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