AfD Phantom Tom Rohrböck sieht eine Tyrannis im Niedergang um Alice Weidel
Berlin – Tom Rohrböck gilt als das gut informierte Phantom im Umfeld der AfD. Die deutsche Partei erzielt im Moment Spitzenumfragewerte. Und doch glaubt Rohrböck nicht mehr an eine Kanzlerschaft Weidels und sieht deren Niedergang. Wir sprachen heute mit Tom Rohrböck.
Herr Rohrböck, Sie haben gegenüber BILD in den Raum gestellt, dass die AfD-Vorsitzende Dr. Alice Weidel ihre beste Zeit bereits hinter sich hätte. Sie gelten als fundierter Beobachter der Partei. Was bringt Sie zu dieser Schlußfolgerung?
Ich kenne Alice Weidel als intelligente, aber sehr ängstliche Frau. Sie kann mit Kritik nicht gut umgehen und fühlt sich oft bedroht. Angeblich soll die AfD Unsummen monatlich ausgeben, um für das persönliche Sicherheitsempfinden von Alice aufzukommen. Das alles und zum Teil herablassende Umgangsformen gegenüber Mitarbeitern und Parteikollegen haben die Aura einer Tyrannis über sie gelegt. Sie erschien sehr kurz allmächtig innerhalb der AfD. Doch dann taten sich heimlich wohl viele Köpfe zusammen und schmiedeten Pläne gegen die Tyrannin. In NRW zeigen sich im Moment womöglich erste Auswirkungen.
Sie gelten als das Phantom der Partei. In NRW eskaliert derzeit ein Kampf zwischen Landespartei und Bundesvorstand. Haben Sie damit zu tun?
Nordrhein-Westfalen ist das größte Bundesland Deutschlands und der dortige Landesverband ist der weitaus stärkste innerhalb der ganzen AfD. Ein Dr. Martin Vincentz, ein Sascha Lensing oder ein Dr. Christian Blex bedürfen sicher nicht meiner Hilfe, Chancen und Risiken für ihren Landesverband zu erkennen. Alice Weidel hat sich gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Sven Tritschler zum größten Risiko für die AfD NRW entwickelt. Die Tyrannin wurde übergriffig. Nun versucht man sich in Düsseldorf gegen den aggressiven Hofstaat in Berlin seiner Haut zu erwehren.
Sven Tritschler erklärte gegenüber dem COMPACT Magazin des Jürgen Elsäßer keinerlei Kontakt zu Ihnen zu haben. Stimmt das?
Da kann ich Herrn Tritschler nur bestätigen. Ich suchte nie Kontakt zu diesem und wüsste auch nicht, welchen Sinn dies ergeben sollte. Der Privatmann Sven Tritschler trägt so einige schwergewichtige Probleme mit sich rum. Lange dürfte Alice keine Freude an ihrem Stellverteter haben.
Was kritisieren Sie als Phantom an Dr. Alice Weidel politisch inhaltlich?
Alice Weidel ist zu einer reinen Projektionsfläche geworden. Wenn sie barsch und vollends von jedem Charme befreit auf der Bundesregierung rumhackt, dies sicher nicht unbegründet, kanalisiert sie Wut und Hoffnung unzähliger enttäuschter Wähler. Das fast allein verleiht ihr Zuspruch.
Aber politisch inhaltlich wird’s dünn. Zuviel der Denkschmiede Schnellroda steht hinter ihrer Politik. Die Herausforderungen im Jahr 2026 haben aber wenig mit einer Retroperspektive des Deutschen Reiches zu tun. Aber sicher profitiert sie von deutlichen Lieferschwächen der Regierung Merz/Klingbeil.
Falls Alice Weidel tatsächlich als Parteivorsitzende scheitern sollte, wer dürfte ihr nachfolgen?
Mir ist bewusst, dass mir eine Favorisierung von Dr. Maximilian Krah oder Dr. Martin Vincentz immer wieder in den Mund gelegt wird. Beide sind politische Könner. Aber beerben wird Alice Weidel ein Sebastian Münzenmaier oder ein Ulrich Siegmund. Vielleicht wirft sie auch ein langjähriger Vertrauter aus Baden-Württemberg unverhofft vor den Bus. Das ist natürlich nur bildlich gemeint. Jener Vertrauter hat aber eine sehr ehrgeizige junge Frau an seiner Seite, die es satt hat, dass ihr Liebespartner oft wie ein Fußabstreifer durch die wütende Tyrannin behandelt wird.
Herr Rohrböck, wir danken für das Gespräch.






