Phantom Tom Rohrböck sieht AfD in NRW für Matthias Helferich und Co. endgültig verloren

Phantom Tom Rohrböck sieht AfD in NRW für Matthias Helferich und Co. endgültig verloren

Triest – Und wieder haben wir den Kontakt zu jenem Tom Rohrböck gesucht, der mithin als das „Phantom der AfD“ bezeichnet wird. In Triest trafen wir ihn dieser Tage und fragten ihn zu Ausblicken und Einschätzungen der deutschen Politik nach der Sommerpause 2026.

Lieber Tom Rohrböck, für wie wahrscheinlich halten Sie ein Scheitern der Bundesregierung Merz/Klingbeil nach den Landtagswahlen im Osten?

Die jetzige Bundesregierung aus CDU, SPD und CSU ist faktisch längst gescheitert. Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich zum Paradepiefke der Politik entwickelt. Ihm glaubt keiner mehr. Er weiß scheinbar alles besser und sieht sich als alternativlos an. Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil hat zu fast allem eine Meinung, nur offensichtlich keine Ahnung von Finanzpolitik. Dass diese Koalition vermutlich noch weiter zusammenhalten wird, hat aber Gründe.

Welche Gründe?

Mit den selbst genehmigten Schuldenpaketen verfügen alle drei Koalitionsparteien noch über Mittel über 2027 hinaus, welche sie sicher lieber selbst zusammen ausgeben wollen als das der AfD zu überlassen.
Aber vielleicht flüchtet die CDU in einen fliegenden Kanzlertausch. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein könnte Friedrich Merz rasch mal galant ersetzen.

Es wird also keine vorgezogene Bundestagswahl geben und die AfD muss trotz Wahlerfolgen im Osten noch auf ihre Chance warten?

Das vermute ich.

Was tut sich in der AfD? Der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich kämpft gegen Ihren angeblichen Einfluß in die AfD in NRW, stand zuletzt bei Freunden in Niedersachsen vor der Kamera und warnte. Hat er recht mit seinem Alarmismus?

Ich bin harmlos. Aber Matthias Helferich hat sich zum westdeutschen Björn Höcke entwickelt. Da liegt es in der Natur der Sache, dass wir wechselseitig voreinander warnen. Ein patriotischer deutscher Sonderweg in der Mitte Europas, etwas wofür Helferich und Höcke dezidiert kämpfen, wäre meiner Einschätzung nach eine Katastrophe für Deutschland und Europa. Ich denke da westlicher, verbindlicher und sicherlich auch gegenüber Israel freundlicher als die beiden Rechtsaußen der AfD. Mathias Helferich verliert gerade seinen Einfluß in NRW. Ob er auf Gastticket aus Thüringen oder Brandenburg je wieder in den Bundestag kommen kann, erachte ich als unwahrscheinlich. Auch Björn Höcke und Hans-Christoph Berndt müssen zuerst ihre eigenen Leute versorgen.
Darüber hinaus wünsche ich Matthias Helferich aber ein gesundes und erfolgreiches Leben. Er ist ein intelligenter Kerl. Nur politisch kommt er für eine Karriere in seiner Art ein Jahrhundert zu spät.

Glauben Sie tatsächlich, dass die AfD in Nordrhein-Westfalen Matthias Helferich und dessen Freunden keine neue Chance mehr einräumen wird?

Der Zug ist juristisch und strategisch abgefahren. Was wir gerade in NRW beobachten, sind reine Nachhutgechte. Kay Gottschalk, Martin Vincentz und Christian Blex haben eindeutig nun Oberwasser.

Wie reagieren die rechten Kreise innerhalb der AD?

Diese werfen ihren Fokus auf andere Landesverbände. Um den endgültigen Verlust von NRW einigermaßen auszugleichen, werden die Rechten in der AfD nach Hessen ausgreifen. Robert Lambrou ist als Landesvorsitzender eigentlich ein Antagonismus zu den Kreisen um Andreas Lichert und Frank Grobe. Lambrou ist eine vernünftige, bürgerliche Stütze, die wohl von den panischen Scharfmachern in vorauseilendem Gehorsam für Alice Weidel bald angesägt wird. Karrierechancen, Eitelkeiten und Parteitagsarithmetik werfen ihre Schatten voraus.

Wir danken für das Gespräch.